Menschen
Unser Beiratsmitglied Hans Joosten hat (gemeinsam mit Swantje Furtak) 2024 ein ganzes Buch zum Thema geschrieben. Es heißt: Moore sind wie Menschen, nur nasser.
Moore und Nutzung
Die Nutzungsgeschichte der brandenburgischen Moore hat mit deren Entwässerung einerseits zu enormem Verlust an Moorsubstanz und der einstigen Vielfalt natürlicher Moorausprägungen geführt, sollte andererseits aber auch als bedeutende kulturtechnische Leistung anerkannt werden. Sie prägt unsere heutige Kulturlandschaft noch immer. Noch heute haben diese grundwassernahen Standorte für die Grünlandwirtschaft in Brandenburg eine hohe Bedeutung, denn von rund 300.000 ha Dauergrünland in Brandenburg befinden sich rund 170.000 ha auf organischen Böden, also Moorböden und deren Vorstufen.

Es ist erstaunlich, wie nah sich Rinder, die den Umgang mit Moorflächen gewohnt sind, an die Wasserflächen heranwagen.
Gerade im subkontinentalen Klima Brandenburgs mit seinen ertragsschwachen mineralischen Böden bleibt die Bedeutung der Moorböden hoch, weil hier das Grünland auch in trockenen Sommern meist noch Wasserverfügbarkeit hat. Die ersten groß angelegten staatlichen Entwässerungsprojekte begannen in Brandenburg vor etwa 300 Jahren.
Das begann 1718 mit der Entwässerung des größten brandenburgischen Moores, des Havelländischen Luchs und der Ansiedlung von Bauern. Ab 1786 wurde das Rhinluch durch den Ausbau des Rhins erschlossen. Neben der Nutzung von Wiesen, Weiden und Ackerland spielte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auch die Torfnutzung eine große Rolle. Der Torf wurde als Brennmaterial direkt bis nach Berlin verschifft.
Als Höhepunkt der Entwässerungsaktivitäten gilt die in der DDR durchgeführte Komplexmelioration, die in den 1970er Jahren begann und bis zum Ende der DDR andauerte. Da in der Endphase der DDR jeder Quadratmeter Boden genutzt werden sollte, um die Selbstversorgung mit Lebensmitteln zu erreichen, wurden in dieser Zeit viele Meliorationsmaßnahmen aus wirtschaftlicher Sicht überzogen.

Das MMZ respektiert die in Brandenburg geschaffenen kulturhistorischen Leistungen und setzt sich auch für den Erhalt des in Preußen, Brandenburg und der DDR gewachsenen Erfahrungsschatzes ein.

Vor allem im Sommer beeinflusst die angenehme Kühle von Seen und Mooren unser Wohlbefinden positiv.
Moore und Gesundheit
Neben der Lebensmittelproduktion für Milch und Fleisch haben Moore auch für die menschliche Gesundheit große Bedeutung. Heilpflanzen wie Fieberklee und Beinwell spielen noch heute in der Medizin eine Rolle.
Heutzutage tritt aber mit dem Klimawandel und den immer heißeren Sommern, die wir als Menschen erleben, eine andere Funktion der Moore in den Vordergrund: ihre Kühlwirkung auf die Luft. Dabei kühlen Moore die Umgebungsluft nicht nur, sondern befeuchten sie auch. Große nasse Moorlandschaften können somit das regionale Klima beeinflussen und der Überhitzung unserer Landschaft entgegenwirken. Das kommt in der Diskussion um den Erhalt von Mooren leider noch zu kurz.
Und nicht zuletzt: Wir gehen in Moore, um Ruhe zu finden, um Tiere zu beobachten, seltenen Pflanzen zu begegnen oder einfach mal dem Alltag zu entkommen. Wo kann man sich sonst auf schwankendem Untergrund bewegen, über jahrtausendealtem Boden?
Das MMZ möchte diese wichtige Rolle feuchter und nasser Moore mehr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken.
Moore und Landschaftswasserhaushalt
Fast überall in der Landschaft Brandenburgs finden sich Moore. Sie bedecken alle Fluss- und Bachtäler, Quellbereiche sowie zahlreiche Senken auf den Hochflächen. Wenn Grundwasser aus den Hochflächen an den Talrändern zu Tage tritt, fließt es oft zunächst durch oder über Moore, bis es die Fließgewässer erreicht. Durch diese Bodenpassage des Wassers sind Moore wichtige Filter für die Gewässer, zumindest solange sie nicht entwässert wurden. Die Moore bremsen den Wasserabfluss und fördern damit die Grundwasseranreicherung im Einzugsgebiet.

Moorentwässerung hat dementsprechend auch Einfluss auf den Grundwasserleiter, insbesondere an den Talrändern, wo sich oft Quellmoore befinden. Mit dem Klimawandel nimmt die Abflussspende der Hochflächen ab, was zu geringerer Speisung der Täler und Fließgewässer aus dem Grundwasserleiter führt. Mit der künstlichen Vergrößerung des Fließgewässersystems hat sich die Abflussmenge erhöht. Dadurch wird die Austrocknung der Landschaft verstärkt. Um uns an zunehmende Trockenphasen besser anzupassen, muss der Abfluss aus der Landschaft wieder reduziert werden. Wasser muss sich in den Speichern der Landschaft – wie den Grundwasserleitern, Seen und Mooren – wieder anreichern können. Für diesen natürlichen Wasserrückhalt setzt sich das MMZ genauso ein wie für die Suche nach Wegen, gemeinsam mit und von nassen Mooren leben zu können.
LfU: Datenspeicher Moor Brandenburg 2024, Zahlen für den Moorschutz und Moorklimaschutz, Stand 09/2024
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